Es geht um diese Giftsoße

Singener Wochenblatt vom 11.08.2010

Internetportal Seemoz

Warum es mir persönlich wichtig ist, dass dieses traurige Kapitel Bohlinger Ortsgeschichte publik gemacht wird:

Das Thema gehört zweifelsohne zur Bohlinger Geschichte wie die schönen Aussichten und Fotos von der Blattform. Und man darf doch wohl noch kritische Fragen stellen. Oder?

Die werden in den folgenden Presseveröffentlichungen gestellt. Da stehe ich voll dahinter.

Am 03.08.2010 war sozusagen die Schlußveranstaltung für die Bohlinger Schlammteiche. Zwei Fragen bleiben für mich offen: Warum macht man nach einer erfolgreichen Sanierung die Schlußveranstaltung unter Ausschluss der Bevölkerung? Da begrüßt Radolfzell's OB Jörg Schmidt die ganzen geladenen Gäste und ganz zum Schluss die nicht geladene Bevölkerung. Kurios!!
Übrigens: Ich war die einzige anwesende "Bevölkerung". Herzlichen Dank, das sie mich nicht von der Veranstaltung ausgeschlossen haben.


Da erzählt der Singener OB Oliver Ehret, das der Giftmüll durch die ganze Republik gefahren wurde und in Norddeutschland in dem Ort "Irgendwo" verbrannt worden ist. Ich habe den Ort auf der Landkarte nicht gefunden. Wer hat denn das alles kontrolliert? Antwort: Niemand.

Warum haben die anwesenden Pressevertreter einschließlich SWR-Fernsehen nicht nachgefragt?


Und nun viel Spaß beim Beweis-Video. Ich bitte die zeitweise schlechte Tonqualität zu entschuldigen - deshalb genau hinhören.



Spruch des Tages

Presse 1



Bohlinger Schlammteiche: Nicht mehr als ein Scheinerfolg

Montag 19. Juli 2010

Im Aachtal zwischen Singen und Radolfzell gärt es immer noch. Seit fast 50 Jahren. Die Bohlinger Schlammteiche beunruhigen die Bürger weiterhin. Teils hochgiftige Altlasten aus Industrieabfällen wurden inmitten eines Naturschutzgebietes entsorgt, der Giftcocktail schlummert weiter unter dem Erdreich im beschaulichen Aachried. Und viele Bürger glauben den Beteuerungen der Politiker nicht, dass nun alles in Ordnung sei.

Die Behörden haben vor wenigen Tagen Entwarnung gegeben und von der erfolgreichen Sanierung der Bohlinger Schlammteiche berichtet. Das Land Baden-Württemberg stellte hierzu Mittel von fast 10 Millionen Euro zur Verfügung. Der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle zeigte sich erleichtert und erklärte den 50-jährigen Umweltskandal für beendet. Dabei wurde nur einer von drei Teichen saniert. Und von den Spätfolgen der Giftdeponie für Menschen und Natur redet niemand.

Für die Einwohner aus den umliegenden Gemeinden Moos, Überlingen am Ried und Bohlingen ist die Sache hingegen noch nicht beendet. Im Gegenteil: Für sie bestehen erhebliche Zweifel, ob hier in der Vergangenheit alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Der Zorn richtet sich vor allem gegen das Landratsamt, dem „Schönfärberei“ und eine mangelhafte Informationspolitik vorgeworfen wird. Und Zweifel sind erlaubt, ob nicht Spätschäden – in der Natur und bei Anwohnern – entstanden sind, für die sich niemand verantwortlich fühlt.

Die Bohlinger Schlammteiche – heute im Besitz der Stadt Radolfzell – sind eine ehemalige kommunale Deponie für Schlämme verschiedenster Art. Auf dem rund zwei Hektar großen Areal wurden dort zwischen 1959 und 1975 geschätzte 60000 Kubikmeter Klärschlamm, Ölschlämme und Emulsionen, Schlämme aus Benzin- und Ölabscheider, Galvanische Stoffe, Fäkalschlämme sowie organische Abfallstoffe entsorgt, vornehmlich aus Singener und Radolfzeller Großbetrieben. Wohlweislich offiziell, denn das Landratsamt Konstanz hatte die Verfüllung der Altlasten auf diesen Wiesen genehmigt. Nach Angabe dieser Behörde war die Ablagerung der toxischen Abfälle geltendem Recht entsprechend zulässig.

Stell dich nicht so an“

Das sahen schon damals besorgte Bürger aus den umliegenden Gemeinden anders, doch ihre Proteste wurden von den Behörden abgewiesen. Der Bürger hatte dies zu akzeptieren, mit schroffen Antworten von den Rathäusern, z.B. „Stell dich nicht so an, man könnt meinen, du bist ein Städter“, wurden Einwohner mundtot gemacht.

Eine Sanierung des verseuchten Oberflächenwassers auf den Schlammteichen mittels einer Drainage scheiterte zuletzt 2007 daran, dass der Giftcocktail im Boden so aggressiv war, dass die Abpumpanlagen schnell verrosteten. Auch seien Giftstoffe ins Grundwasser und in Bäche und von da aus in den Bodensee gelangt, behaupteten Anwohner immer wieder. Dass die Bohlinger Deponie in einem Vogel- und Naturschutzgebiet liegt, brachte das Fass zum Überlaufen und rief selbst die Landesregierung auf den Plan. Auf einer Versammlung in der Aachtalhalle Bohlingen im Januar 2008 wurde Landrat Hämmerle gefragt: „Wie kann es sein, dass angesichts einer solch lebensfeindlichen Giftmüllkippe hier später ein Naturschutzgebiet ausgewiesen worden ist, obwohl alle Beteiligten aus Verwaltung und Wirtschaft um die prekären Altlasten wussten?“. Darauf antwortete Frank Hämmerle: „Was oben ist, ist Biotop, was drunter ist, verschweigt des Sängers Höflichkeit”.

Wen will der Landrat schützen? Die Verursacher der Giftbrühe etwa, die nicht zur Rechenschaft gezogen worden sind? Schützt er sich selbst und seine Vorgänger auf dem Posten des Landrates: von Seiterich, Göbel und Robert Maus? Nach eineinhalbjährigem Verhandlungspoker setzte Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) im Herbst 2009 immerhin ein Zeichen gegen den Umweltfrevel und genehmigte für diese Entsorgungsmaßnahme insgesamt 10 Millionen Euro. 8,7 Millionen zahlte das Land, etwa 1 Million Euro sollte die Stadt Radolfzell bezahlen, sie hatte die Deponie im Jahre 1973 gekauft und bis zum Schluss 1975 betrieben.

Im Juni 2010 teilte das Landratsamt Konstanz mit, die Sanierung der Bohlinger Schlammteiche sei abgeschlossen. Der Aushub des am stärksten belasteten Teichs und das Wiederauffüllen mit unbelasteter Erde sei inzwischen beendet. Rund 24000 Tonnen des teilweise hochgiftigen Abfalls sei in Verbrennungsanlagen in Nordrhein-Westfalen, in Leipzig und in Hamburg entsorgt worden. Die Maßnahme kam mit 6,7 Millionen Euro insgesamt 2 Millionen Euro günstiger als vorgesehen. Doch was passiert mit den beiden übrigen Teichen?

50 Jahre sind die Leute angelogen worden“

Am 3. August 2010 soll Ministerin Tanja Gönner nach Bohlingen kommen, um das Sanierungsprojekt offiziell zu beenden. Landrat Hämmerle verkündete unterdessen in einer Pressemitteilung, er freue sich, dass eine komplexe Altlast im Kreis Konstanz nach gemeinsamen Anstrengungen und vereinten Kräften der Behörden und der Politik dauerhaft saniert sei. Doch beide, Ministerin und Landrat, wissen, das der Erfolg nur ein Scheinerfolg ist.

Das Jubelszenario des Landrates sorgt bei vielen Bürgern im Aachtal für Kopfschütteln. „50 Jahre sind die Leute angelogen worden“. Denn die Frage muss erlaubt sein: Was ist in den 50 Jahren zuvor in das Grundwasser gelangt? Was haben Dämpfe und Absonderungen der Schlammteiche seitdem bewirkt? Gibt es Erkrankungen bei Anwohnern als Folge der Grundwasserbelastung? Gibt es noch Schäden an der Natur? Wurde das je untersucht? Gibt es Verantwortliche? Und womöglich Entschädigungen?

Zeitzeugen berichten, wie „billig“ und „stümperhaft“ die Teiche zur Entsorgung angelegt wurden. Auf Feuchtwiesen sei die Grasnarbe abgeschoben, ringsum Erdwälle aufgeschüttet worden – und dann begann das Verfüllen mit hochgiftigen Industrieabfällen direkt in das Erdreich. Keine speziellen Folien oder Splitschichten seien eingebaut worden, damit die Schlämme nicht ins Erdreich gelangen konnten. Film- und Fotoaufnahmen aus dieser Zeit zeigen einen riesigen Ölteich, der mehrfach über zuschwappen drohte. Landwirte, die in der Nähe der Teiche ihre Felder bewirtschafteten, klagten über Kopfweh und Brechreiz, erzählt ein älterer Mann aus einer Aachtalgemeinde.

Die ungewöhnlich hohe Zahl an erkrankten Einwohnern in den letzten Jahren  erschüttert die Menschen im Aachtal schwer. Auch heute noch gibt es einen Anstieg diverser Erkrankungen, deren Ursachen rätselhaft bleiben. Die Befürchtungen der Menschen richteten sich bei den Krankheitsbildern gegen das möglicherweise verseuchte Grundwasser. Aber dessen Qualität wurde von den Behörden weder untersucht noch je angezweifelt.

Alle drei Teiche müssen ausgebaggert werden“

Dass das Gift frei und unkontrolliert in die Umwelt gelangen konnte, verdeutlicht ein Artikel des „Südkurier“ von 1971. Da wird berichtet, wie die Feuerwehr Radolfzell zusammen mit einem starken Aufgebot der Landespolizei die Schlammteiche angezündet hatte. Dies sei erforderlich gewesen, weil aufgrund heftiger Regenfälle ein Überlaufen des Ölteiches befürchtet werden musste. „Das Öl hätte beim nächsten Regenfall die ganze Umgebung verseucht und wäre über den Egelbach in die Radolfzeller Aach und den Bodensee gelangt“. Die gewaltige Feuer- und Rauchsäule stieg tagelang in den Himmel. Ein Zeitzeuge aus Überlingen am Ried berichtete, wie bei diesen „Feuersbrünsten“ auch die umliegenden Bäche in Brand gesetzt worden seien; ein Indiz, dass sich der Schlamm und die Ölbrühe bereits über die Teiche in die Umgebung ausgebreitet hatte.

Aufgrund der vielen Aussagen ist es für die Menschen im Aachtal deshalb nicht glaubhaft, dass mit der nun erfolgten Teil-Sanierung des einen, hoch giftigen Schlammteiches die Gefahr vollständig gebannt ist. „Erst wenn alle drei Teiche mit den 60000 Kubikmeter eingelagerten Altlasten ausgebaggert sind, könnte die Natur wieder zurückkehren“, meint ein besorgter Bürger.

Presse 2



Schlammteiche, die zum Himmel stinken

Entsorgung Im Land ist die größte Altlastensanierung beendet.

Von Rolf Hirt und Wolfgang Messner

Die Einwohner von Überlingen am Ried, einem Teilort von Singen (Kreis Konstanz), dürfen aufatmen. Kein 40-Tonner wird mehr die 1750 Einwohner mit seinem Gebrumm stören. Auch die Schwarzkehlchen und der Brachvogel sollen wieder ungestört brüten können. Es ist ja ein Natur- und Vogelschutzgebiet, inzwischen hat es sogar den Schutzstatus eines europäischen FFH-Gebietes (Flora, Fauna, Habitat), eigentlich. Nun, da die Sanierung der Bohlinger Schlammteiche offiziell abgeschlossen ist, kann man sich daran erinnern. Noch liegt das aufgeworfene Gelände da wie eine offene Wunde. Alle Offiziellen hoffen, dass nun Gras über den größten Altlastenfall in Baden-Württemberg wächst: das Land Baden-Württemberg, das Landratsamt Konstanz und die Städte Singen und Radolfzell.
Nur die Bürger von Bohlingen und dem Nachbarort von Überlingen am Ried sind nicht zufrieden. Sie wollen nicht einsehen, dass ein Umweltskandal, unter dem sie jahrzehntelang litten, einfach für beendet erklärt werden soll. Denn es ist nur einer von drei Teichen saniert worden. Dabei haben das Land und die Stadt Radolfzell, die das Gelände 1973 gekauft hat, insgesamt zehn Millionen Euro für den Abbau der Giftstoffe zur Verfügung gestellt.
Noch, so vermuten Anwohner, schlummert ein Teil der üblen Melange aus Abfällen der großen Singener Industriefirmen, Klärschlämmen, Fäkalien, Ölen, Lacken, Salze, galvanische Stoffe, Benzinabscheider und organische Abfälle, auf dem Gelände. Das mit der Sanierung beauftragte Ingenieurbüro HPC beruhigt hingegen. 96 Prozent der Schadstoffe lägen in Teich zwei. Dieser "heftige Schadstoffcocktail" - insgesamt 25 000 Tonnen Abraum aus Schlamm, Lehm und Seekreide, wurde in Stuttgart, Leipzig und Hamburg thermisch behandelt und wird zum Teil wieder verwendet. In den anderen beiden Teichen lägen primär Fäkalschlämme. Die bleibende Belastung sei laut HPC "hinnehmbar".
Was genau zwischen 1959 und 1975 auf dem zwei Hektar großen Areal abgelagert wurde, lässt sich heute nur bruchstückhaft rekonstruieren. Die gesamte Menge der einst trüb blubbernden Brühe wird auf 60 000 Kubikmeter geschätzt, verteilt auf drei Teiche. Damals wurde nur die Grasnarbe weggeschoben und die Wannen ausgebaggert. Schutzvorrichtungen wie Folien oder Abdeckungen sind nicht vorgesehen. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Trinkwasserbrunnen, unweit fließt der Egelbach, der in die Radolfzeller Aach mündet, die wiederum in den Bodensee fließt. "Das war absolut stümperhaft", sagt ein Augenzeuge von damals, der sachkundig ist und aus Angst vor Repressalien anonym bleiben will. Die Wiesengrundstücke hat die einstige Entsorgungsfirma dem damaligen Bohlinger Bürgermeister Martin Hirt abgekauft, der sein ganz privates Geschäft mit dem Giftschlamm machte.
Dass es hier zu einer hochgradigen Umweltverschmutzung kommen würde, hätte den Behörden klar sein müssen, die ihren Segen dazu gaben. Das Landratsamt Konstanz erteilte die erforderlichen Genehmigungen. Kam in der Bevölkerung Unmut auf, wurden die Beschwerdeführer beruhigt, hingehalten und, wenn nötig, gemaßregelt. Landrat Robert Maus (1973-1997) und seine beiden Vorgänger waren froh über die Endlagerstätte. Maus war auch CDU-Landtagsabgeordneter und Verwaltungsratschef des damaligen Südwestrundfunks (SWF). Aufmüpfige TV-Journalisten, die kritisch über die Umweltsauerei berichteten, maßregelte Maus persönlich. Besorgten Lokalpolitikern schrieb der Landrat noch 1989, dass die Maßnahme "seinerzeit ausgiebig untersucht worden und von allen Fachbehörden so beurteilt worden (ist, d. Red.), dass er keine Umweltgefahr darstellt".
Die Einheimischen sahen das ganz anders. Beim Heuen haben sie in die giftige Suppe geblickt und sich über den Gestank des zähen Ölteppichs beklagt. Ihre Stimmen wollte keiner hören. Am Abend haben sie über rote Gesichter und oft starkes Kopfweh geklagt. Manchmal werden die Teiche angezündet, um Platz zu schaffen und ein Überlaufen zu vermeiden. Dann brennen sie tagelang, am Himmel stehen riesige, übel riechende Rauchwolken, die sich über viele Kilometer verbreiten. Die Menschen grummeln, aber sie sagen nichts. "Gegen die da oben kannsch nix mache", heißt es.
Noch immer will keiner dieser Menschen, mit denen die Stuttgarter Zeitung in den vergangenen Monaten gesprochen hat, genannt werden - aus Angst vor den Behörden. Denn es gibt rätselhafte Krankheitsfälle. Einheimische sagen, dass in Bohlingen auffällig oft Menschen an Krebs, Parkinson oder anderen schweren Leiden erkranken und sterben. Keine Stadt, kein Landratsamt und keine Landesregierung hat dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben. So lange wird niemand diese Fälle je in einen Zusammenhang zu den Giftschlämmen bringen können. Unklar ist auch, welche Schäden die Dämpfe und Absonderungen der Teiche in der Natur bewirkt haben. Auch dazu gibt es keine Erkenntnisse. Nach der Unbedenklichkeitsbescheinigung der Landräte wird noch fast ein Jahrzehnt vergehen, bis Fachleute auch nur eine Ahnung davon bekommen, wie gefährlich die Substanzen sind, die ungefiltert ins Erdreich und ins Grundwasser eindringen konnten. Als der Edelstahlbohrer 2007 in den verseuchten Boden taucht, sind die Bohrköpfe binnen kurzer Zeit von der tödlichen Mischung zernagt. Als Hauptschadstoffe werden Mineralkohlenwasserstoffe, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe, Vinylchlorid, Benzole und Phenole ermittelt. Als Angelsportler einen Fischteich anlegen wollten, wurde das wegen der hohen "Schadstoff-Restbelastungen" untersagt. Wenn heute Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) den Abschluss der Sanierungsarbeiten verkündet, wird davon wenig gesprochen werden. Die guten Nachrichten dominieren. Die Kosten liegen zwei Millionen unter den veranschlagten zehn Millionen Euro. Dann soll Ruhe einkehren über den Teichen und dem Gift.

Offiziell ist die Sanierung der Bohlinger Schlammteiche bei Singen abgeschlossen - die Einheimischen sind da anderer Ansicht.

Presse 3



Bürger fehlen bei den Bohlinger Schlammteichen

Entsorgung - Die Umweltministerin Gönner feiert mit Honoratioren die Sanierung des größten Altlastenfalls im Land. Die Bohlinger Schlammteiche sollen Geschichte sein. Die seit Dezember 2009 dauernde Sanierung des größten Altlastenfalles im Land sei abgeschlossen, erklärte die baden-württembergische Umweltminsterin Tanja Gönner (CDU). Der Anlass wurde wie üblich mit den Reden der Ministerin, der Oberbürgermeister Oliver Ehret (Singen) und Jörg Schmidt (Radolfzell) und des Vizelandrates des Kreises Konstanz, Philip Gärtner, begangen. Geladen waren die Gemeinderäte von Radolfzell und Singen, die Abgeordneten, die üblichen Honoratioren eben.
Wer nicht geladen war, das waren die Bürger, die jahrzehntelang unter dem Umweltfrevel leiden mussten. "Ich war von Bürgern aus Bohlingen angesprochen worden, ob sie kommen sollten", sagte Siegfried Lehmann, der Landtagsabgeordnete der Grünen. "Ich habe sie dazu ermuntert." Gerüchten zufolge war sogar ein Fest für die Bürger zum Ende der Sanierung vorgesehen gewesen. Aber davon wussten weder die Städte Singen und Radolfzell noch das Landratsamt Konstanz etwas.
Die Schlammteiche waren von 1950 bis 1975 mit Industrieabfällen, Klärschlämmen, Fäkalien, Altölen, Lacken, Salzen, galvanischen Stoffen und organischen Abfällen hauptsächlich der großen Industriefirmen in Singen und Radolfzell abgefüllt worden. Aus den drei Teichen konnten die Schadstoffe weitgehend ungehindert in den Boden eindringen und einen nahen Trinkwasserbrunnen sowie den nahen Egelbach kontaminieren. Der Egelbach mündet in die Radolfzeller Aach, die weiter in den Bodensee fließt. Über acht Monate wurden 12 000 Kubikmeter verseuchter Boden abtransportiert und von Spezialfirmen entsorgt. Das entspricht rund tausend Lastwagenladungen. Nun gehe keine Gefahr mehr von den Schlammteichen aus, betonte Gönner. Jedoch ist nur einer der drei Teiche saniert worden. Darin sollen sich nach Angaben des Ingenieurbüros HPC 96 Prozent der Giftstoffe befunden haben. Die beiden kleineren Wannen seien lediglich mit Fäkalien und Klärschlämmen verunreinigt, was "hinnehmbar" sei.
Die Bohlinger Schlammteiche waren der größte Altlastenfall im Land. Ihre Sanierung kostete rund zehn Millionen Euro, wobei das Land 8,7 Millionen Euro beisteuerte. Den Rest muss die Stadt Radolfzell bezahlen. Die Kommune hatte die Teiche 1973 von der Stadt Singen abgekauft, um dort Klärschlämme und Industrieabfälle abzulagern. Der gesamte Etat für Altlasten im Land beträgt für das laufende Jahr rund 15 Millionen Euro.

Entsorgung Die Umweltministerin Gönner feiert mit Honoratioren die Sanierung des größten Altlastenfalls im Land.

Von Wolfgang Messner


wissenswertesrundumdiebohlingerschlammteiche20.pdf [825 KB]

Hier kommt Abhilfe:

Eine Liste die sagt, wo die giftige Soße geblieben ist. Eines macht jedoch stutzig: Von 21 000 t giftigen Abfalls wurden nur 3 481 t verbrannt. Der Rest schlummert "nach Behandlung" als "Verfüllmaterial" auf mehreren Deponien in Deutschland. Gut verteilt ist auch entsorgt.

Damit will ich es gut sein lassen.

Ein Tipp noch an alle Politiker: Niemand kann alles wissen. Nachfragen ist keine Schande. Deshalb - erst "schlau machen" und dann darüber reden.


meint Bernhard Hirt




Die Anfrage im Umweltministerium wurde auf mein Bitten vom Landtags-Abgeordneten Siegfried Lehmann vorgenommen. Herzlichen Dank.
Im Folgenden einige Auszüge aus dem Antwortschreiben.



Auszug 1

Auszug 2

Auszug 3